Bugfixes (oder: Karl der Käfer wurde nicht gefragt)

Von Thomas Manegold zur Lesebühne Vision und Wahn „Bugfixes“ am 5. August 2019

Wie einst Robert A. Heinlein (oder für Analphabeten: Paul Verhoeven) richtig erkannte, sind die Insekten bald die neuen Chefs auf Erden …  Sein STARSHIP TROOPERS, eine leicht faschistoide Science Fiction, in der interstellare Insekten, gesteuert von sogenannten BRAINBUGs, die Erde angreifen, ist nämlich nur eine Vorwegnahme dessen, was uns ganz und gar ohne Aliens ereilen wird.

Es wird wärmer und die Mücken werden größer. Die Zecken auch, die sind zwar streng genommen auch Insekten, aber wegen ihrer extrem ekligen Ernährungsweise sind sie in unserer Wahrnehmung ABSCHAUM …. so wie die unserer eigenen Art, die anders aussehen und andere schlechte Gewohnheiten haben als wir … ABSCHAUM … also keine Lebewesen, sondern das Gegenteil von Bodensatz. Das, was in den Abwassergruben und Kläranlagen oben schwimmt …

In dem Maße, wie uns die Ressourcen ausgehen werden, werden wir viele unserer eigenen Art und viele Insekten als ABSCHAUM betiteln und organisiert bekämpfen … So sind wir programmiert, wie Termiten, die eine Palette der unkommentierten Ausgabe von Hitlers MEIN KAMPF aufgegessen haben. Allmachtsphantasien und allein nicht überlebensfähig.
Nur erkennen wir uns nicht am Geruch, sondern an unseren gestählten weißen Körpern und den stahlblauen Augen, unseren blonden Haaren und – wenn die ausgefallen sind – an den grünen Krawatten mit Hunden drauf…

Thomas Manegold
Lesebühne „Vision und Wahn“ mit Thomas Manegold

 

In einer Zeit, als wir uns selbst noch als Schaumkrone der Schöpfung verstanden, obwohl wir langsam bemerkten, dass da niemand schöpft, schöpfte, geschöpft hat, geschöpft hatte, schöpfen wird oder geschöpft worden ist oder geschöpft worden sein wird, da wurden Bugs, Käfer, so wie alle anderen Insekten auch, von sogenannten Forschern gefangen, gesammelt und dann aufgespießt, also gefixed, und mit einem Namensschild versehen.
War man der Meinung, dass zuvor noch niemand anderes diese eine Art von Lebewesen massakriert und ausgestellt hatte, wähnte man sich als Entdecker und benannte diesen, mit einer Nadel fixierten Käfer – nach sich selbst.
In meinem Fall also: krabbelinus manegoldensis.

Diese Selbstüberhöhung ist eine der sieben Todsünden.
Und weil keiner, der jemals einen Käfer aufgespießt und nach sich selbst benannt hatte, wirklich keiner, beim Scheißen vom Blitz getroffen wurde, wissen wir, dass es keinen Gott gibt, zumindest nicht diesen alttestamentarischen Cosplayer, der mal mit Hipsterbart, mal mit Handtuch um Kopp und mal als dreieckige kopflose Lichtgestalt in den Märchenbüchern der untergegangenen Völker auftaucht …

An den Schöpferstatus kommen gerade nur die Nerds ran, die den ganzen Scheiß programmieren, mit dem wir unsere Zeit totschlagen.
Glaubt man denen, wird man bald die digitalen Welten von der sogenannten realen Welt nicht mehr unterscheiden können. Wenn das wirklich in diese Richtung geht, dann haben wir ein kleines Wahrscheinlichkeitsproblem … das man Simulationshypothese nennt.

Die besagt, wenn Mensch irgendwann in der Lage ist, die Wirklichkeit perfekt zu simulieren, also so genau, dass er den Unterschied zwischen Simulation und Wirklichkeit selbst nicht mehr erkennen kann, dann ist die Chance ziemlich groß, dass wir bereits in einer Simulation leben.
Warum? Weil es nur eine Wirklichkeit gibt. Aber wenn es eine perfekte Simulation gäbe, gäbe es automatisch unendlich viele davon.
Und dann wäre die statistische Chance, ausgerechnet in der einen Wirklichkeit zu leben, ziemlich gegen Null. Zudem hält sich das Gerücht hartnäckig, dass Realitätssimulationen sich dann nach innen fortpflanzen können. Wir könnten also in einer Simulation in einer Simulation in einer Simulation leben… und die einzige Wirklichkeit, die wirklich wirklich ist, ist das Universum von Douglas Adams.

Die anderen zwei Annahmen sind, dass die menschliche Zivilisation gar kein Interesse hat, eine Simulation zu bauen oder dass sie gesetzmäßig ausstirbt, bevor sie dazu in der Lage ist. Da wir auf der Straße mittlerweile vermehrt dattelnden Smombies begegnen, können wir das mit dem mangelnden Interesse ausschließen. Und Aussterben ist keine Option, denn in dem Fall wäre Douglas Adams einfach nur ein Mensch, der ein paar Bücher geschrieben hat und viel zu früh gestorben ist. Und das ist alles andere als wahrscheinlich, wenn nicht sogar vollkommen absurd.

In unserer Simulation einer bereits wirklich gewesenen Realität läuft aber einiges schief. Nur können wir innerhalb der Simulation leider daran nichts ändern. Das müssen schon die Götter machen, die diesen Scheiß hier zusammenprogrammiert haben.

(Hier käme jetzt alles, was auf der Welt so Scheiße läuft, so Hunger, Mord, Krieg, Umweltzerstörung, Beschneidung, Massentierhaltung, Korruption, Dummheit … Weil ich aber weiß, wo man das alles bei Facebook abstellen kann, kommen hier ein paar stellvertretende Aspekte aus meiner Buchmacher-Echokammer)

7% Mehrwertsteuer auf Zugfahrten unter 50 km und 19% auf Zugfahrten über 50 km.
7% Mehrwertsteuer auf Bücher in Deutschland und 10% Mehrwertsteuer auf Bücher in Österreich. Bei gleichzeitiger Buchpreisbindung auf den Nettopreis. Und zeitgleich 19% Mehrwertsteuer auf E-Books in Deutschland und 20% Mehrwertsteuer auf E-Books in Österreich, bei gleichzeitiger Buchpreisbindung auf den Bruttopreis. Sowas kannst Du Dir nicht ausdenken, geschweige denn ändern. Das muss man schon den Profis überlassen.

Bugfixes sind Softwareupdates, die Fehler beheben. Fehler, die von Anfang an da waren und Fehler die sich durch die Weiterentwicklung und Nutzung eingeschlichen haben … Eine Software mag anfangs ja perfekt sein, nur wird ja auch die Hardware weiterentwickelt. Und der User entwickelt sich nicht weiter. Durch die steigende Intelligenz der Geräte und die daraus resultierende sinkende Intelligenz der Nutzenden – entstehen über die Jahre synergetische Fehler, die man nicht vorhersehen kann.
Nehmen wir den BER. Da war alles OK, bis jemand rausgefunden hatte, dass die Flugzeuge, die woanders programmiert werden und die den Flughafen einmal anfliegen sollen, in der Zeit wo der BER gebaut wurde, größer wurden, als gedacht. Also musste man den BER so umbauen, dass er auch von den großen Fliegern benutzt werden konnte. Dass dann die anderen Sachen nicht mehr ganz so passen… das hätte man, im Gegensatz zum Service Pack 3 von Windows 7, schon vorher wissen können, wenn man Ahnung davon gehabt hätte.
Hatte man aber nicht.

Politiker und Ahnung schließen in unserer Simulation nämlich einander aus. Schließlich hat ja selbst der Präsident des Universums von Douglas Adams keine Macht, sondern soll nur von ihr ablenken.
Der Politiker ist (nicht nur in unserer Simulation) ein dummer, narzisstischer, machtgeiler, sym- und psychopathischer Mensch, der in einem Bürokratencamp und/oder in einem Ausschuss und/oder in einem Aufsichtsrat sitzt – und einfach nur das tut, was derjenige sagt, der ihm die Nutten bezahlt hat … oder die Nuttriche … je nach dem, ob in dem Universum, in dem er sich korrumpieren lässt, gegendert wird oder nicht.

Doch egal ob BER oder Klimwandel oder Weltfrieden, es ist immer einfacher, wenn da ein Nerd in einer anderen Dimension sitzt, der Schuld hat. Nicht umsonst heißt unser Betriebssystem Android. Ok. Es ist offiziell das Betriebssystem unserer Smartphones. Wir sind nicht ferngesteuert … Nein, wir steuern uns selbst. Mit einer Steuereinheit, die wir selbst … bezahlt haben.
Nur ist in diesem Fall die Chance sehr groß, dass wir uns mit einer implantierten Illusion von Autonomie besser steuern lassen. Ferngesteuerte Marionetten, die sich selbst feiern, weil sie sich von ihren Stricken befreit meinen. Der beste Android ist der, der selbst glaubt, dass er Mensch ist.

Vielleicht ist die Autonomie ja generell eine Illusion und wir bewegen uns nicht mal mehr in einer Simulation, sondern sind Bestandteil davon. Wir schooten nicht, sondern werden zerballert und müssen immer wieder auferstehen, sofern der User wieder mit uns spielen will. Und was ist, wenn der Nerd, den wir Gott nennen, erkennt, dass nicht der BER, die Mehrwertsteuer, die Korruption und der CO2-Gehalt der Luft die Probleme sind, sondern die Menschen an sich.

Wenn Du also wieder einmal fixiert in die Gorillaglasscheibe starrst und auf das System schimpfst, könnte es sein, dass Du auf der anderen Seite als ein lästiges Insekt unter vielen anderen angesehen wirst. Als ein Bug im System, den man beseitigen muss. Dann werden wir einfach wegprogrammiert. Nur ein paar von uns enden als aufgespießte Anschauungsobjekte in einem Museum. Und selbst diejenigen werden dann noch glauben, sie seien Auserwählte, wie einst Jesus Christus, Mohammed oder Donald Trump.

P.S.: Vielleicht ist das aber auch alles Blödsinn. Und Douglas Adams lebt in Wirklichkeit als gefeierter Autor auf Terry Pratchetts Scheibenwelt, wo er sich ein Universum ausgedacht hat, in dem auf einer Kugel am Rande einer Galaxis ein gewalttätiger Affe das Kochen erfindet.
In diesem Fall hätten wir vielleicht sogar die Chance auf ein Happy End.

Thomas Manegold

Ein Kommentar zu “Bugfixes (oder: Karl der Käfer wurde nicht gefragt)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.